CROSS-COUNTRY



Also, der Reinhard Mey hat recht! Der Solo-Cross-Country zu einem unbekannten Flughafen war bis jetzt die Kroenung. Ich bin dreieinhalb Stunden ueber die verschiedenen Inseln hier geduest. Zuerst ging es ueber Molokai, dann weiter nach Maui, wo ich einen Touch&Go auf dem Flughafen von Kahului hinlegte, dann schliesslich nach Hana, an der Ostspitze von Maui, wo ich auf einem Mini-Airfield landete.

Die Szenerie ist schon atemberaubend, und neben den ganzen Fotos musste ich mich ziemlich auf den Funkverkehr konzentrieren. Wie beim letzten Mal hielt ich auch diesmal die Controller ziemlich auf Trab. Beim letzten Cross-Country hatte ich das Statement "Radar contact, report 12 miles south of Koko Head, 1500 feet" faelschlicherweise als "Radar contact ... 12 miles south of Koko Head, 1500 feet" verstanden. Ich wunderte mich, hatte der Radarlotsenprofi etwa den falschen Flieger im Visier? Nochmal die Nachfrage: "Say again position?". "12 miles south of Koko Head, 1500 feet". Da war ich nun wirklich nicht, also: "Negative! Position is 25 miles southwest of Koko Head, 3500 feet". Jetzt wurde der Typ allerdings wirklich aergerlich. Kein Wunder, die Controller sind hauptsaechlich mit den grossen Jets beschaeftigt, die kleinen Sonntagsflieger eben manchmal nicht so ganz fit. In gaaaanz langsamen Worten und mit deutlich erhobener Stimme kam dann: "I SAID: RADAR CONTACT AND ASKED YOU TO REPORT AGAIN AT THE FOLLOWING POSITION: 12 MILES SOUTH..." und so weiter. Tja, ich sank auf meinem Sitz zusammen, verbeugte mich innerlich (alter Japanreflex) und setzte meinen Flug fort.

Dieses mal kam es nicht zu solchen grossen Pannen, ich verwechselte lediglich ein paar Frequenzen, was dann mit "Are you sure you're on the right frequency?" quittiert wurde. Lappalien.

Nachdem ich in Kahului bei der Landung ziemlich von Turbulenzen durchgeschuettelt worden war, lief es in Hana - abgesehen von ein paar Regenschauern sehr gut. Ich stellte ich meine Cherokee zwischen den beiden einzigen anderen Flugzeugen, zwei Cessnas, ab und trampte in den Ort, der karibisches Flair hat: Etwas verschlafen, kleine Haeuser, etwas heruntergekommen, ueppig wuchernde Vegetation, typisch fuer die Windseite der Hawaiianischen Inseln. Am schwarzen Lava-Sandstrand ass ich dann meinen 150-Dollar-Burger (Anreise mitgerechnet). Danach ging's wieder zurueck zum Flughafen, wo mittlerweile der Postflieger und ein groesseres Flugzeug der Island-Air Fluggesellschaft etwas Betrieb in das Terminalgebaeude gebracht hatten. Der Take-off ueber's Meer verlief problemlos, die Regenwolken waren verschwunden.

Zurueck flog ich entlang der Suedseite der Insel, die das genaue Gegenteil des Nordens ist: Keine einzige Pflanze, nur die blanken (erkalteten) Lavastroeme sind zu sehen. Das war aber nicht minder interessant. Ich flog einige Kurven und ging etwas tiefer um mir ein paar Felsformationen anzusehen - atemberaubend. Das macht das Fliegen fuer mich so faszinierend: Es eroeffnen sich voellig neue Perspektiven, die man vom Boden aus nie haben kann. Und dazu kommt dieses Freiheitsgefuehl: man kann (in den Grenzen der Aerodynamik) tun und lassen, was man will. Der Geist ist vollkommen auf's Fliegen fixiert.

Weiter ging es ueber eine kleine Kraterinsel, von der nur noch die Haelfte aus dem Wasser ragt, so dass sie von oben wie ein Halbmond aussieht. Anschliessend kam die Insel Lanai in Sicht, wo ich zwei Schiffswracks besichtigte. Von da waren es nur noch 35 Minuten bis Honolulu, wo mich der Radarcontroller in einem weiten Bogen ueber's Meer zur Landebahn lotste. Also, Fliegen ist und bleibt ein Traum!

Vorgestern habe ich dann meinen ersten Nachtflug mit Greg erlebt, der wieder nach Lanai fuehrte. Am Anfang war mir etwas mulmig, weil es draussen tatsaechlich wie Negerkampf im Dunklen aussah: kohlpechrabenschwarz! Es war ziemlich diesig, kaum Sterne zu sehen, der Mond war noch nicht aufgegangen. Das verlangt ziemliche Konzentration auf die Instrumente, man darf vor allem nicht seinem Gefuehl vertrauen, das einem dann und wann sagt: "Hey, Du bist ja in einer Rechtskurve, korrigier' mal nach links". Wenn man dem nachgibt und die Instrumente ausser Acht laesst, ist man schnell in einer Todesspirale Richtung Boden. Ich dachte zwischendurch auch einmal, dass der kuenstliche Horizont spinnt. So fing es mit JFK jr. ja auch an...

Wenn man dann noch neben der Konzentration auf die Instrumente in die Karte gucken muss, den Funkverkehr zu erledigen hat und das ein oder andere Funkfeuer identifizieren soll, kann man sich ueber mangelnde Auslastung nicht beklagen. Das Resultat einer derartigen Ablenkung war bei mir meist eine Kursabweichung von 30 Grad oder mehr. Wir kamen dann in Lanai an, von der Landebahn keine Spur, nachts ist auf dem Flughafen tote Hose. Und jetzt kommt's: In den USA kann man per Funkfernsteuerung die Flugplatzbefeuerung anschalten. Ihr koennt Euch nicht vorstellen, wie es ist, wenn man in ein paar Kilometern Entferung ploetzlich eine riesige Landbahn aufflammen sieht! Ist ein Gefuehl wie Weihnachten! Die Landung war etwas schwieriger, ich fing die Maschine zu hoch ab, muss mich wohl noch daran gewoehnen, die schwarze Oberflaeche naeher an mich rankommen zu lassen...
Auf dem Rueckflug kam dann der Mond raus und wir konnten Honolulu in seiner ganzen Nacht-Pracht bewundern. Herrlich!

© Mortimer v. Plettenberg (45 Flugstunden, davon 17 als Pilot-in-Command, jetzt auch mit bestandener Theoriepruefung)



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