ENDLICH SOLO!



Hawaii ist eine gute Zwischenstation, um sich langsam von den Japanern zu verabschieden, denn die laufen hier tonnenweise rum. Interessant, dass es hier einige ganz harmlos aussehende Geschaefte (meistens 'Liquor Stores') gibt, an denen draussen in dicker roter Neonschrift "PORNO VIDEOS" dransteht. Allerdings nur auf Japanisch. Die Polizei schreitet wohl nicht ein, weil sie denkt, dass es sich um Sakewerbung handelt...

Seit knapp zwei Wochen bin ich jetzt hier in Honolulu und mache taeglich den Luftraum ueber Oahu unsicher. Bald werde ich dann auch die anderen Inseln heimsuchen. Die Behauptung, mir waere aufgrund waghalsiger Flugmaneuver und eines grossflaechigen Sonnenbrandes der Beiname "Red Baron" verliehen worden, entbehrt allerdings jeder Grundlage.

Unangefochtenes Highlight war bis jetzt mein erster Alleinflug. Nachdem ich mit meinem CFI (Certified Flight Instructor) Greg Honolulu International verlassen hatte, flogen wir nach Kalaeloa, einer Navy-Base in paar Meilen ausserhalb von Honolulu. Nach ein paar Touch&Go-Anfluegen, meinte Greg dann, ich braeuchte ihn nun nicht mehr, es sei jetzt Zeit fuer ihn auszusteigen...

Ich setzte ihn am Tower ab, er gab mir nochmal letzte Instruktionen und los ging's: Taxifreigabe von der Bodenkontrolle einholen, zur Starbahn Vier links rollen. Mein Herz schlug schon einiges schneller als normalerweise, aber gleichzeitig war ich auch vollkommen konzentriert. Die Startfreigabe kam: 'Cherokee three-one-niner Foxtrot Charlie (mein Rufzeichen), altimeter two-niner point niner-eight (der aktuelle Luftdruck), winds five-zero at fifteen (leichter Seitenwind von rechts), runway four left cleared for take-off'. Alles weitere lief bei mir vollautomatisch ab: Elektrische Benzinpumpe an, Landescheinwerfer an, Transponder auf Hoeheneinstellung, Schubhebel voll nach vorn und los ging's! Bei sechzig Knoten zog ich den Steuerknueppel leicht zurueck, das Bugrad hob ab. Da die sechzig Kilo Lebendgewicht auf dem Nachbarsitz fehlten, hob die Piper schon einiges frueher ab und stieg mit einer hoeheren Rate als normalerweise. Wow, ich fliege! Allein! Ich ueberlegte noch kurz, ob ich einen meiner Jubelschreie auch ueber Funk absetzen sollte, liess es dann aber mit Ruecksicht auf die Trommelfelle der Controller und der anderen Flieger um mich herum doch sein.

Bei 400 Fuss (ca. 100m) wurde mir die rechte Parallellandebahn zur Landung freigegeben, eine 'Umleitung', da noch andere Flugzeuge unterwegs waren. 90-Grad-Rechtskurve. Bei 900 Fuss (ca. 300m) beendete ich den Steigflug und leitete mit einer zweiten 90-Grad Kurve den Gegenanflug ein (parallel zur Landebahn). Dann ging es auch schon bald in den Sinkflug ueber, Landeklappen auf 15 Grad, wieder Rechtskurve, vom Tower kam die Landefreigabe zusammen mit einer Verkehrswarnung, da auf der Parallelbahn eine Cessna im Anflug war. Meine Antwort, nicht ganz dem Funkcomment entsprechend: "Niner-Foxtrot-Charlie, traffic in sight, runway four right, cleared for FIRST SOLO Touch&Go!". Von dem Moment an haben wahrscheinlich alle im Tower genau hingeguckt, wie die Landung werden wuerde. Klappen auf 20 Grad, den Schubhebel etwas weiter zurueck als normal, wegen des leichteren Gewichts, eine letzte 90-Grad Kurve und ich war perfekt 'aligned' mit der Landebahn.

Der Rest geht sehr schnell: Klappen auf 45 Grad, Schubhebel ganz zurueck. Die Landebahn kommt naeher und naeher, ein paar Aufwinde wollen korrigiert werden, dann der Touchdown: tatsaechlich ganz passabel, von einer leichten Windboe abgesehen, die mich auf dem letzten halben Meter etwas nach links von der Mittellinie verfrachtet. Danach starte ich durch und fliege einen zweiten Touch&Go, diesmal mit etwas haerterer Landung. Die letzte Landung ist dann eine "Full Stop"-Landung, auf der ich trotz einiger Seitenwindboeen samtweich aufsetze! Geschafft!!!!

Am Fusse des Tower wartete schon Greg auf mich und gratulierte mir. Ich muss zugeben, dass das duemmliche Grinsen, das sich in diesem Moment auf meinem Gesicht breitmachte, mich bis zu diesem Moment noch nicht verlassen hat.

Ich habe bis jetzt 16 Flugstunden und bin mit dieser kurzen Zeit Rekordhalter unter Gregs 'Solo'-Schuelern, hauptsaechlich wohl weil ich taeglich fliege und so weniger vergesse. An kleineren Flughaefen, meinte er, waere ich wohl mit einigen Stunden weniger ausgekommen. Aber der Honolulu Luftraum ist 'Class B', in der Komplexitaet der An- und Abflugprozeduren vergleichbar mit anderen internationalen Grossflughaefen wie Frankfurt oder Muenchen. Bevor man ueberhaupt losrollen kann, muss man schon mit drei verschiedenen Funkstationen (Wetter, Abflugfreigabe, Bodenkontrolle) Kontakt aufnehmen. Die Antworten von dort kommen immer maschinengewehrschnell, so dass man kaum mitschreiben kann. Nachdem dann klein Morti mit seiner Mini-Piper Cherokee zwischen Jumbo-Jets, Hubschraubern im Schwebeflug und landenden F-14 Kampfjets zur Startbahn gerollt ist und die Startfreigabe bekommen hat, ist er in den Haenden der Radarlotsen, die ihn erst ein paar Meilen entfernt in den 'freien' Luftraum entlassen. Wir fliegen nach dem Start meistens ueber Pearl Harbour, wo zur Zeit ein riesiger Flugzeugtraeger festgemacht hat, in eine Uebungszone. Dort werden dann verschiedene Flugzustaende und Notverfahren geuebt.

Bei der Rueckkehr geht es aehnlich hektisch zu. Wir fliegen meistens ueber zwei andere Startbahnen rueber (in Honolulu gibt es vier Bahnen), wo wir wieder die grossen Jets starten und landen sehen koennen. Am Anfang war mir dabei schon etwas mulmig, der Luftraum ist brechend voll, und staendig bekommt man irgendwelche neuen Kurse oder 'Verkehrsmeldungen' durchgesagt, zB: 'Verlaengern Sie Ihren Anflug, Verkehr auf Ihrer Zwei-Uhr- Position, Boeing 747 im 2-Meilen Endanflug auf Bahn 8L. Wenn man dann nach rechts guckt, hat man schon die vier grellen Landescheinwerfer des Jumbos in Augenhoehe. Da kommt Freude auf! Das ganze Verfahren ist zwar ziemlich umstaendlich und dauert, aber dafuer werde ich am Ende des Kurses hier keine Angst vor grossen Flughaefen mehr haben, weil mir die Prozeduren bekannt sind.

Nach meinem ersten Alleinflug von der Navy-Base benoetige ich noch eine spezielle Freigabe fuer Alleinfluege im Honolulu-Class-B Luftraum (wegen des komplexen Ab- und Anflugverfahrens), dann kann ich ueber Oahu weitgehend alleine durch die Luefte duesen. Anschliessend stehen noch Langstrecken- Navigationsfluege zu den anderen Inseln auf dem Programm, sowie Nachtfluege.

Aber das ist eine andere Geschichte...

© Mortimer v. Plettenberg, (schon 0,3 Stunden Pilot-In-Command)



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